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Living Library – Menschen für ein Gespräch ausleihen am Samstag, 24. September

Living Library – Menschen für ein Gespräch ausleihen am Samstag, 24. September

Lebensgeschichten eines Flüchtlings, einer Fettaktivistin, eines Blinden und einer Polyamourösen. Für einmal stehen sie nicht zwischen zwei Buchdeckeln, sondern werden von Mensch zu Mensch erzählt.

Gesprächsbeginn jeweils um 13.30, 14.10, 14.50 und 15.30 Uhr
Reservation der gewünschten Person und Gesprächszeit: bibliothek@stadtzug.ch. Auch spontane Gespräche am Anlass sind möglich.

Ein Projekt des Kantonalen Sozialamtes und der Bibliothek Zug. Die Teilnahme ist kostenlos.  


Der Flüchtling
Antonio kam als Minderjähriger aus Eritrea in die Schweiz. Ein Schwarzer unter Schweizern. Ein junger Schwarzer, der bestimmt mit Drogen handelt, Frauen belästigt und von Sozialhilfe lebt, so die Vorurteile, die ihm seither begegnen. Dass er mal von einem Schweizer angesprochen wird, einfach so... «sehr selten», sagt er. «Kaum einen interessiert, wie es uns Eritreern geht oder möchte mit uns zu tun haben». Antonio machte eine Lehre, arbeitet 100% als Logistiker, er lernte eine Eritreerin kennen und ist heute verheiratet und Vater eines einjährigen Sohnes. Zu dritt leben sie zur Untermiete in einem Zimmer. «Ich habe nur in schlechten Wohnungen gelebt», sagt er. «Etwas anderes bekomme ich nicht. Lesen Vermieter, woher ich komme, werde ich vom Bewerberstapel aussortiert.»

Die Fettaktivistin
Melanie war schon immer dick. Lange Zeit hungerte sie und machte eine Diät nach der anderen, um auszusehen, wie andere auch. Doch wofür eigentlich? In die Badi traute sie sich trotzdem nicht. Mit Ende Zwanzig riss sie die Notbremse und stieg aus dem Teufelskreis der Diäten aus. Sie begann zu ihrem Körper zu stehen. «Fett ist für mich kein Unwort, nur gehört es endlich positiver besetzt», sagt sie. «Wer dick ist, gilt als faul und dumm, träge und undiszipliniert.» Einen Job zu finden als dicker Mensch sei nicht einfach. «Ich bin fett – na und?» sagt sie und trägt heute sogar einen Bikini in der Badi. Als Fettaktivistin setzt sie sich dafür ein, dass jeder Mensch sein darf, wie er ist und sich dafür nicht zu schämen braucht. Als Präsidentin der Organisation Body Respect Schweiz geht sie mit Wissen und Charme gegen Gewichtsstigmatisierung, Diätkultur und Fatshaming an. 

Der Blinde
Michael sah bereits als Kind wenig. Aber immerhin waren da noch Umrisse, die ihm die Orientierung im Alltag erleichterten. Mittlerweile ist da kaum mehr als Dunkelheit. Möchte Michael eigentlich im Alltag angesprochen werden, bei einer Baustelle etwa oder einer Ampel, oder belästigt man ihn damit? «Reden ist immer gut. Ich kann dann immer noch sagen: nein, danke.» Die Angst, dass ein Blinder nur belastet oder weniger leistet, sei weit verbreitet, das schrecke auch Arbeitgeber ab, sagt er. «Einen Job auf dem freien Markt zu finden, ist schwierig.» Er lebt mit seiner Partnerin in einer Wohnung in Goldau – ohne Hund, da ihn der auf seinen Reisen eher behindern würde. Was sollte der Hund denn in New York? Eine Stadt nimmt er durch Geräusche und Düfte wahr. Wieder daheim hört er sich die MP3-Aufnahmen von Stimmengewirr und hupenden Autos an und erinnert sich. Ein Blinder kann vieles tun. Auch dank der Technik. Nur nicht so spontan. 

Die Polyamouröse
Sheila ist diplomierte Kommunikatorin und Poledance-Trainerin. Nach 10 Jahren Ehe und der Geburt des dritten Kindes, beschlossen sie und ihr Mann ihre Beziehung zu öffnen. Seither liebt sie nicht nur ihren Mann, sondern auch andere Männer. Nicht nur auf körperlicher Ebene. «Ich bin weder sexsüchtig noch chronisch untreu», sagt sie, das nämlich vermuten die meisten hinter ihrer Lebensform. Was ist Polyamorie und was denken wohl die Lehrer und Lehrerinnen und Eltern beim Schulbesuchstag darüber?